Die Tschäggättä machen jedes Jahr, von der Maria Lichtmesse bis zum Aschermittwoch, das Lötschental unsicher! Ob heidnische Tradition um den Winter zu vertreiben oder erfinderische Diebe, der Ursprung dieses Brauches ist unklar.

 

Das Lötschental ist ein abgelegenes Seitental vom Rhonetal. Der Brauch der Tschäggättä ist ein wichtiger Teil der Identität der Talbewohner. Die traditionellen Holzmasken, auch Larven genannt, schmücken jedes zweite Haus. 

 
 

Das Tschäggättun ist Teil der Fasnacht und findet im Lötschental zwischen dem 3. Februar, dem Tag nach Maria Lichtmess, und dem «Gigisdienstag», dem Tage vor Aschermittwoch, statt. In dieser Zeit wird das Kommen der maskierten Gestalten schon von weitem durch das Bimmeln der Kuhglocken angekündigt. Folgt man dem Schellen erwartet einem oftmals eine freundliche aber etwas grobe Umarmung oder eine reichliche Portion Schnee im Gesicht. Vor allem nachts haben die Tschäggättä durchaus etwas Beängstigendes. 

Ob man tagsüber oder nachts durch die Dörfer streicht, ist jedem Lötschentaler selbst überlassen und findet meist sehr spontan statt. Jedoch gibt es in der Fasnachtszeit immer zwei fixe Umzüge welche vom Obermeier Gaston Roth organisiert werden: Der traditionelle Protestumzug von Blatten nach Ferden und der Fasnachtsumzug in Wiler.

 
 

Der Protestumzug findet in der Nacht statt und hat seinen Ursprung in den 80iger Jahren. Der damalige Talrat von Lötschen hatte beschlossen, die Tschäggättä nach 18:00 Uhr zu verbieten. Da viele junge Männer ihr tägliches Brot im Rhonetal verdienten und erst spät abends wieder nach Hause kamen, war es Ihnen unmöglich an diesem Brauch teilzunehmen. Diese Unzufriedenheit drückten sie damit aus, indem sie einen «Protesttschäggättun» vor dem Haus des damaligen Talrates Jaggi Walter organisierten. Die Jungen Männer trafen sich vor seinem Haus und haben «gi trichlud bis das d’r Chaln hed gigliät». 

Aus dem anfänglichen Verbot wurde Tradition und seither gibt’s jedes Jahr den Lauf von Blatten nach Ferden und was mit einem guten Dutzend Tschäggättä begann, ist 2017 an einem Höhepunkt von 147 Tschäggättä angelangt.

Über die Entstehung der Tschäggättä kursieren verschiedene Legenden. Eine der häufigsten Ursprungslegenden ist die Sage von den Schurten Dieben. Sie waren arm, wohnten auf der Schattenseite vom Lötschental und verkleideten sich in der Nacht mit Fellen und Holzmasken, um die Vorräte in den Kellern und Speichern auf der Sonnenseite des Lötschentals zu stehlen. Eine weitere Version besagt, dass die Bergbewohner nach Maria Lichtmess dem Winter die Stirn bieten wollten und verkleidet durch die Gassen und Strassen zogen.

Das traditionelle Kostüm der Tschäggättä besteht aus 5 Hauptelementen. Die Kleider werden umgestülpt, die Beine und Schuhe mit Jute eingewickelt und um mächtiger und beängstigender zu wirken trägt man auf den Schultern ein «Holzträger Chischtli», das früher dazu diente Holz besser tragen zu können. Anschliessend wird das Fell, mit einem dicken Ledergürtel an den Körper gebunden, an dem eine Kuhglocke, auch „Trichla“ genannt, befestigt ist. Der Pelz besteht zum grossen Teil aus Ziegenfell, jedoch kommen auch Schafsfelle und diverse Wildfelle zum Einsatz. Am eindrücklichsten sind jedoch die fratzenhaften Holzmasken, auch Larven gennant, deren Vielfalt fast keine Grenzen gesetzt sind.

 
 

Oskar Ebiner ist einer der Maskenschnitzer im Tal, welche aus Leidenschaft und oftmals in ihrer Freizeit, neue Kreationen schaffen. Jedes Jahr braucht es neue Masken, einerseits um nicht erkannt zu werden und andererseits für die Preisverleihung am Fasnachtsumzug, an der verschiedene Stile und Darstellungen beurteilt werden. 

 
 

Die Masken spielten immer schon eine zentrale Rolle für die Erhaltung des Brauches. Als anfangs 60iger Jahre, die Tradition das Risiko einging in Vergessenheit zu geraten, versuchten einige Bergbauern der Bekanntheit des Brauches wieder Aufschwung zu beschaffen indem sie Souvenirmasken herstellten. Diese wurden sowohl im Tal aber auch in anderen Städten der Schweiz verkauft. Dies war unter anderem ein Grund dafür, dass der Brauch der Tschäggättä im Lötschental immer noch lebt und gedeiht. 

 

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