«Ried lebe hoch, dreimal hoch»

Mit der brennenden «Funkebabe» wird dem Winter der Garaus gemacht.

Der Funkensonntag ist ein sehr verbreiteter Brauch. Zelebriert wird dieser vor allem in Lichtenstein, Österreich und in der Schweiz. In der Schweiz ist der Funkensonntag für die Bewohner des Ried Viertels in Appenzell Innerrhoden besonders wichtig. Für viele zählt der dort zelebrierte Riedfunken als der heilige Tag von Ried. 

 
 

Der Brauch besteht darin, einen gewaltigen Scheiterhaufen aus Holz zu bauen, dessen Ende mit den Christbäumen des letzten Jahres geschmückt wird. Das wichtigste Element des Funkensonntags ist jedoch die «Funkenbabe», eine riesige Puppe, die den Winter personifiziert und an der Spitze des Holzturms befestig wird. Ziel des Brauchs ist, dass die Puppe Feuer fängt und möglichst lange brennt. 

Die Vorbereitungen für den Funkensonntag beginnen schon im Dezember. Der Funkenverein von Ried organisiert einen Christbaum-Verkauf um das notwendige Holz für den Bau des Turms zu finanzieren. Der Riederfunken wird an drei Wochenenden aufgebaut. Der Turm hat einen gewaltigen Stamm in der Mitte und sechs kleinere Stämme ringsherum, an denen bis fast an die Spitze Latten angenagelt werden. Gleichzeitig wird das Innere des Turms mit weiteren Stämmen, Stöcken und Ästen gefüllt. Am Schluss wird der fertige Turm mit den Christbäumen und der «Funkenbabe» geschmückt. 

 
 

Am 4. Sonntag während der Fastenzeit ist es dann soweit. Während viele schon in den Genuss des ersten Bieres kommen, bereiten sich die Bewohner von Ried für den Umzug vor. Fackeln werden entfacht und um den Funken bildet sich ein Menschenkreis. Währenddessen ertönt es aus allen Richtungen «Ried lebe hoch, dreimal hoch». Wenn dann plötzlich ein lauter Knall über das ganze Areal dröhnt, bewegen sich alle in die Mitte um mit ihren Fackeln den Funken anzuzünden. Aus sicherer Ferne kann man nun die Flammen beobachten wie sie langsam am Holzturm hinaufsteigen. Nach wenigen Minuten erreichen sie die «Funkenbabe» welche sofort in Flammen aufgeht. 

 
 

Im seltenen Fall, dass die «Funkenbabe» wegen Wind oder Unwetter nicht Feuer fängt und in die Wiese fällt, muss die Puppe in der darauf folgenden Woche entweder auf einem Scheiterhaufen verbrannt oder in der Wiese vergraben werden. Bei dem Riedfunken ist das glücklicherweise noch nie passiert, denn dies gilt als Schande bei jedem Funkenverein. 

Früher gab es bis zu zehn Funken in Appenzell und jeder wollte den grössten Funken bauen, den sogenannten «Heerfunken». Damals wurden die Kinder schon Wochen vor der Zelebration ins Dorf geschickt um die alten Christbäume einzusammeln, aber auch Holz und alles was die Leute nicht mehr brauchten. Den Kindern wurden von alten Sesseln bis zu Kühlschränken alles mitgegeben. Da es zu dieser Zeit mehrere Funken gab stritt man sich oft um die Ressourcen, denn nur einer konnte am Schluss als «Heerfunken» gekrönt werden. 

In den Neunziger Jahren musste man jedoch einsehen, dass Kühlschranke und andere Möbel zu verbrennen nicht sehr ökologische war. Deswegen wurde der Bauplan des Funkens verändert um dem aktuellen Standart der Umweltschutzregeln zu entsprechen. 

Weit bis in die Nacht hinein lodert das Feuer und versprüht seine Funken. 

 
 
 

weitere episoden